Mittwoch 23. Dezember 2009 von Christian Pohle
Am 23. Dezember vor genau 14 Jahren, also im Jahre 1995 trug sich eine Geschichte zu, die mein Leben nachhaltig verändert hat.
Eigentlich begann die Geschichte bereits am 27. Februar 1992, als Stella Liebeck sich im Auto vor einem McDonalds Restaurant heißen Kaffee über ihre Hose schüttete. Der nachfolgende Gerichtsprozeß führte dazu, daß McDonalds den Kaffee nur noch mit Temperaturen servierte, die ihn bestenfalls als Arzneimittel tauglich machten.

Glücklicherweise wurde kurze Zeit später die goldene Temperaturmitte wiedergefunden und der Kaffee bei McDonalds schmeckt wieder ganz hervorragend, sowohl an der McCafé Theke, wie auch an der klassischen Theke – allerdings wäre die hier erzählte Geschichte dann nie passiert, was wiederum schade wäre.
Die Kaffeetemperatur Ende 1995 führte nämlich dazu, daß ich, nachdem ich am 22. Dezember 1995 kurz vor Mitternacht bei McDonalds am Stachus in München zu Abend speiste, meine Lust auf einen Kaffee nicht dortselbst, sondern schräg gegenüber in der einschlägigen Diskothek “Soul City” stillen wollte, wo der Kaffee heiß war (anders wäre ich ja im Leben nie bereits um 0:30 in einer Diskothek gelandet, sondern hätte mich noch einmal 2 Stunden hingelegt).

Eine zweite Geschichte begann am Abend des 22. Dezember als Thomas mit einer Freundin aus Dorfen einige Abendlokale im Münchner Norden unsicher machte. Zum Abschluß dieser Tour, beide wollten noch nicht gleich nach Hause, bat ihn diese Freundin, Ihr doch mal zu zeigen, wo er sonst so hingeht (wenn Sie nicht dabei ist). Diese Aufforderung verschlug die beiden um 0:30 Uhr in die Diskothek “Soul City”, was eigentlich unsinnig war, denn um diese Zeit sind sicher keine Gäste in einer Münchener Diskothek.
Außer, wenn sie zum Kaffeetrinken dort sind.
So liefen dann dort die beiden Geschichten, die bisher voneinander getrennt stattfanden, zusammen und diese gemeinsame Geschichte begann mit dem Satz: “Darf ich mein duplo mit Dir teilen” (denn zur damaligen Zeit reichte man im Soul City zum Kaffee ein duplo und das ist groß genug, um es zu teilen – nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn es dort eine kleine Schoko-Bohne zum Kaffee gegeben hätte):

Von nun an sollte es also eine gemeinsame Geschichte werden und die erste Stunde verging wie im Fluge mit einem mehr oder minder belanglosen, aber heiteren Gespräch und meine Begeisterung stieg von Minute zu Minute (wobei ich mich noch heute bei Thomas’ Freundin entschuldigen möchte, daß ich sie von Minute zu Minute ob meiner ständig steigenden Begeisterung dann immer weniger beachtet hatte).
Thomas ist aber immer für eine Überraschung gut und so tat er bereits nach einer Stunde das unerwartete und wollte nach Hause – um 1:30 Uhr!
Er lieferte auch eine Begründung mit – er müsse Zeitungen austragen, in Taufkirchen und in Armstorf (ich hatte damals noch nicht einmal eine entfernte Ahnung, wo das liegen könnte. Auch die Beschreibung, daß diese beiden Orte in der Nähe von “Dorfen” lägen, half mir nicht wirklich weiter. Seinen Erzählungen zufolge konnte man die Orte aber mit dem Auto erreichen, das machte mich zuversichtlich, daß es nicht allzu weit sein könnte.

Es war Samstag morgen. Ich hatte mir gerade eben für die Nacht freigenommen und genau betrachtet hatte ich auch den ganzen Tag und den Sonntag und noch genauer betrachtet, eigentlich auch alle folgenden Tage frei – so bot ich an, ich käme mit und helfe ihm beim Austragen der Zeitungen – dann geht’s leichter.
Gesagt, getan. Die Fahrt aufs Land verging gefühlt wie im Fluge, die Freundin wurde bei sich zuhause ausgeladen und wir holten Berge von Zeitungen im jeweiligen Depot ab und stellten diese den Abonnenten zu. Da der 23. Dezember ein Samstag und der Heilig Abend bereits am nächsten Tag war, handelte es sich hier um eine spezielle
Samstags-Wochenende-Weihnachten-Spezialausgabe
der Zeitungen mit entsprechendem Umfang und Gewicht. Als Entschädigung steckten in den meisten Zeitungsröhren Weihnachtskarten für den Zeitungszusteller, seltener kleinere Geldpräsente, aber sehr häufig leckere Plätzchentüten, was die Zustellung von Zeitungen an diesem Tag übrigens zu einer überaus leckeren Angelegenheit machte:

Meine kleine Weihnachtsgeschichte ist hier zuende. Wäre sie ein Kinofilm, so käme jetzt der Abspann, wäre sie ein Märchen, würde Omi jetzt sagen “Und wenn sie nicht…, dann leben Sie noch heute”. Unsere Geschichte fand aber genau so im wirklichen Leben statt und wie ich zu Beginn schon ausführte, hat sie mein Leben (und natürlich auch das von Thomas) nachhaltig verändert. Wir tragen heute keine Zeitungen mehr aus, erinnern uns aber jedes Jahr am 23. Dezember daran, wie lecker die Plätzchen schmeckten und wie schwer die Zeitungen waren und sinnieren darüber, was damals seinen Anfang nahm.