Mein Wohnzimmer hat eine gewisse Tradition, denn es nicht nur unser Sprachgebrauch, sondern auch ein geflügeltes Wort bei unseren Kunden, daß der Herr Pohle mit seinem Wohnzimmer reist.
Zwei Entwicklungen der vergangenen Monate bringen es nun mit sich, daß wir diese Tradition in das Regal “Vergangenheit” verfrachten werden:
Zum einen haben wir in den letzten Jahren konsequent daran gearbeitet, viele unserer Aufträge bei unseren Kunden mittels Telearbeit abwickeln zu können. So stehe ich seit Ende 2009 auch nur mehr am Dienstag und am Donnerstag für Termine vor Ort zur Verfügung. Die Arbeitstage Montag, Mittwoch und Freitag finden immer in meinem Büro in Dorfen statt. Dadurch hat sich natürlich meine jährliche Kilometerleistung und die Zeit, die ich im Auto verbringe auf weniger, als die Hälfte reduziert (natürlich gilt das auch für die CO2 Emissionen, denn mein Computer braucht hier wie dort den gleichen Strom).
Wir haben nun zwei Hunde, Timmy und Tobi. So süß die beiden im Augenblick sind, wenn sie noch ein paar Monate älter sind, ist an eine Fahrt und sei sie noch so kurz, in einer Limousine nicht zu denken. Zwei ausgewachsene Golden Retriever brauchen einfach Platz.
Wir haben uns daher an unseren Ansprechpartner bei Mercedes-Benz gewandt von ihm eine faire Lösung angeboten bekommen: Der Leasingvertrag für unser Wohnzimmer wurde mit der aktuellen Laufleistung und dem aktuellen Alter unseres Fahrzeuges neu berechnet, so, als ob wir den Wagen seinerzeit nur für 3 Jahre/80.000 km geleast hätten und die Differenz (das ist natürlich etwas teurer, als ein Leasing über 5 Jahre) wird uns in Rechnung gestellt. Das kostet zwar etwas Geld, aber die Lösung ist fair und akzeptabel. Vielen Dank dafür.
Das bedeutet, daß ich ab sofort nicht mehr mit Wohnzimmer unterwegs bin.
Und gleich noch eine Nachricht an die BMW Händler: Sie brauchen trotz des vorgezogenen Leasingendes nicht bei mir anrufen. BMW ist durch die Vorfälle um Fürstenfeldbruck bei uns ganz unten durch.
Wir haben im Haus als Räume zum Wohnen unsere Rote Bar, den Salon Bellevue oder das Teezimmer – ein spezielles Wohnzimmer haben wir aber nicht, denn “Das Wohnzimmer”, das steht in der Garage.
Die meisten kennen ja meinen Sprachgebrauch, “ich fahre mit meinem Wohnzimmer”, so auch ein Mitarbeiter eines Kunden, der neulich sagte: “Wenn ich morgens Ihr Wohnzimmer auf dem Parkplatz sehe, dann weiß ich, daß der Kaffee schon fertig ist”.
Man kann das übrigens auch abwandeln, so wird aus “Mit dem Wohnzimmer fahren” kurz “Wohnzimmern” und jeder versteht, was ich tue.
Und so sieht mein Wohnzimmer aus:
Woher aber kommt diese Bezeichnung für mein Auto?
Douglas Adams beschreibt in seiner Bibel “Per Anhalter durch die Galaxis” auf Seite 34 das Heimweh sehr treffend:
In Augenblicken großer innerer Anspannung sendet jede existierende Bioform unbewußt ein winziges Signal aus. Dieses Signal übermittelt ein exaktes und geradezu erschütterndes Gefühl davon, wie weit das betreffende Wesen von seinem Geburtsort entfernt ist …
So ist das auch bei mir, je weiter ich von zuhause weg bin, desto stärker ist mein Heimweh – und das setzt schlagartig in dem Moment ein, in dem ich mit meinem Projekt beim Kunden fertig bin, mein Kunde mir gesagt hat, daß er zufrieden ist und ich ihm die Hand geschüttelt habe zum Abschied.
Da ich in diesen Situationen in vielen Fällen einige hundert Kilometer, das entspricht selbst bei meiner Fahrweise einigen Stunden Autofahrt, von zuhause entfernt bin, kann ich mir nur dadurch helfen, daß ich einen Teil meines Zuhause in den Wagen verlege. Seit mein Auto mein Wohnzimmer ist, ist das Heimweh nicht mehr ganz so schlimm, denn ich bin ja schon ein wenig zuhause, wenn ich die Autotür hinter mir schließe, zum Navigationssystem sage “Nach Hause bitte”, die Sitzheizung einschalte und es mir auf dem Ledersitz mehr oder weniger bequem mache.
Wenn die Dame im Navigationssystem nun noch sagen könnte “Willkommen in Ihrem Wohnzimmer, wir nehmen Kurs auf zuhause, nehmen Sie sich einen Drink und legen Sie sich hin”, dann wär’s perfekt.
Der Defender hat ja eine recht lange Namensgeschichte, ursprünglich war er der Land-Rover, also der Rover für’s Land, später, als der Discovery erschien, wurde der ursprüngliche Land-Rover dann in Defender umbenannt und das Defender steht mal auf dem Auto drauf und mal nicht – auf dem TD5 steht vorne “Defender” drauf, seit 2007 wieder nicht mehr.
Nix für Thomas, er beschafft ein Originalersatzteil vom TD5 und nun klebt ein wunderschönes “Defender” auf dem Kühler:
Egal wo auf der Welt er ist, unser Defender soll nie falsch Tanken, also beschafft Thomas vorsichtshalber ein Schild für den Tankstutzen, damit nichts mehr schiefgeht:
Thomas hat heute die Fliegen und Mücken von der Frontscheibe unseres Defender entfernt. Nachdem er letztes Mal mit einer Klappleiter anrückte, hat er heute eine Möglichkeit gefunden, das eleganter zu erledigen:
Stellt sich nur die Frage: Defender zu groß oder Thomas zu klein?
Nachdem das Team vom Autohaus Esser sehr schnell bemerkt hat, daß wir nicht nur Geländewagen besitzen, sondern diese auch im Gelände benutzen möchten, war schnell klar, womit man uns eine Riesenfreude machen kann: Ein Fahrertraining im Landrover Experience Center in Wülfrath (das ist in der Nähe von Düsseldorf). Hier war Dennis Leibe einen ganzen Tag für uns abgestellt, um uns näher zu bringen, was “Off-Road” Fahren wirklich bedeutet.
Wir haben gelernt, daß “Off-Road” Fahren fast garnichts mit reinem “Allradantrieb” zu tun hat. Off-Road ist tatsächliche Geländetauglichkeit eines Fahrzeuges, dazu gehört vor allem, sich an das Gelände anzupassen und damit umzugehen. Die Konstruktion des Defender ist zwar 60 Jahre alt, aber dieses Auto hat uns heute nachhaltig beeindruckt und gezeigt, wie geländetauglich diese Konstruktion ist. Der Defender 2007 fährt quasi “von alleine” Berge rauf und wieder runter.
Morgens, vor dem Training, sagte Thomas noch: “Diesen Berg da, den fahre ich aber nicht rauf”. Im Laufe des Tages fuhr er diesen Berg nicht nur rauf, sondern auch wieder runter. Wenn er zudem gewußt hätte, daß er mehrfach mitten an diesem und anderen Bergen stehen bleiben wird und dann rückwärts wieder runter fahren wird, was hätte er dann wohl gesagt? Der Erfolg des Fahrertrainings ist, daß wir beide heute Methoden gelernt haben, wie wir solche Berge hinauf und hinunter befahren und was wir tun, wenn man, warum auch immer, den Berg nicht ganz hinauffahren kann (oder möchte):
Leider kann man im Bild nicht so eindrucksvoll zeigen, wie sich das anfühlt, wenn man einen Berg mit 110% Gefälle runterfährt und daß man sich dabei völlig sicher fühlt:
Grobe Unebenheiten des Weges meistert der Defender mit Bravour. Das Auto im folgenden Bild ist nicht kaputt, es steht nur mit dem linken Vorderrad und dem rechten Hinterrad jeweils in einem Loch. Da die Achsen starr sind, kommt es zur sogenannten Verschränkung der Achsen – das sieht spektakulär aus, daher habe ich an dieser Stelle angehalten und Thomas hat’s fotografiert:
Hier noch der Beweis, daß das rechte Hinterrad auch im Loch steht – ich lehne mich übrigens nur an, ich muß das Auto nicht festhalten
Der Landrover Discovery hat ja keine starren Achsen, er löst diese Verschränkung mit seiner Luftfederung. Von der Seite sieht das nicht so spektakulär aus, wie beim Defender, aber von hinten sieht man recht deutlich, was das System hier leistet:
Der Freelander ist da etwas eingeschränkt, denn er hat auch eine Einzelradaufhängung aber keine Luftfederung. Also hängt ein Rad in der Luft:
Generell ist der Freelander als sogenanntes Sports Utility Vehicle (laut Wikipedia hat Landrover mit dem Freelander die gesamte SUV Klasse erfunden) für grobes Gelände nicht so geeignet. Das liegt an der geringeren Bodenfreiheit gegenüber Defender und Discovery und an der reinen Einzelradaufhängung, die Verschränkungen nicht meistert. Berge rauf und runter, Wasserdurchfahrten und verschiedenste Untergründe meistert der Freelander aber, im Gegensatz zu den meisten SUVs, ganz hervorragend, wie wir heute sehen konnten. Wir sind die meisten Hindernisse, die wir mit dem Defender überwunden haben, in der nächsten Runde mit dem Freelander gefahren.
Wir haben heute auch gelernt, daß Off-Road Fahren viel mit dem Fliegen gemeinsam hat: Man muß sich vorher klar werden, was man tun möchte, dann festlegen, wie man es tun möchte und dann tut man das, was man sich vorgenommen hat. Natürlich gehört dazu auch, vor einer Bergabfahrt genau zu prüfen, wie der Berg beschaffen ist. Thomas inspiziert hier, vor der Bergabfahrt mit dem Freelander, ob die Stufen im Boden für die Bodenfreiheit des Freelander nicht zu tief sind:
Natürlich hebt hier schon mal ein Rad (hier rechts hinten) vom Boden ab:
Etwas anderes hat Off-Road auch noch mit dem Fliegen gemeinsam: Die Schräglage. Wir sind heute mehrfach eine 30 Grad Schräglage gefahren, das ist die Standard-Schräglage in Kurven bei unseren Rundflügen – im Defender fühlt sich das allerdings spektakulärer an, weil wir ja ganz langsam fahren und nicht durch eine Kurve fliegen. Thomas hat versucht, das zu fotografieren, aber im Foto kommt nicht wirklich rüber, wie schräg das ist:
Nach sorgfältiger Prüfung der Wassertiefe und des Untergrunds im Wasser geht’s mit eingelegtem zweiten Gang (und einem mulmigen Gefühl im Bauch) durch den Wasserlauf. Defender und Freelander haben beide eine Wattiefe von bis zu 50 cm:
Später hat Thomas das mit dem Freelander wiederholt
die Durchfahrt duch das Wasser gibt es auch als Film:
Für das leibliche Wohl ist beim Landrover Experience Center gesorgt, es gab ein leckeres warmes Mittagessen, vor einer überragenden Kulisse:
Als absolutes Schmankerl zum Schluß durfte Thomas mit dem Freelander über die Wippe fahren. Ich habe versucht, das zu fotografieren, wie die Wippe kippt
aber das kann man nicht fotografieren, daher das gibts auch das als Film
Einen herzlichen Dank an Dennis Leibe für seine anschaulichen Erklärungen und für die Sicherheit, die er uns den ganzen Tag vermittelt hat. Danke auch an das Team vom Autohaus Esser, das uns diesen Tag ermöglicht hat.
Unsere Nachbarn haben gerade ein Ersatzauto von ihrer Werkstatt in das ich mich unbedingt hineinsetzen mußte, um in der Vergangenheit zu schwelgen – wieviele Stunden habe ich in diesen Tacho hineingestarrt:
Was war ich damals stolz auf meinen Golf II, den ich knappe 500.000 km gefahren habe (überschlägig gerechnet müssen das so um die 7.000 Stunden gewesen sein). Gefahren habe ich ihn von 1984 bis 1989.
Dann sagte Thomas: “Was tust Du in diesem uralten Auto”. Nicht nur das Auto ist uralt, ich komme mir gerade auch so vor…
Heute hat unser Fuhrpark Zuwachs bekommen, wir durften unser “neues altes Auto”, einen Landrover Defender abholen. Nun parkt er vor unserem Haus und strahlt den Charme des “Ich war schon immer da” aus, nicht?
Ja, er ist wirklich ein Unikum, der Defender – wird seit über 60 Jahren mit nur relativ geringen Änderungen gebaut, ist mehr ein Lastwagen als ein PKW, ist auf einen Rahmen montiert, die Karosserie aus Aluminium. Eckig, laut, unbequem und einfach zum verlieben. Seit wir das erste Mal in einem Defender saßen, träumten wir den Traum vom eigenen Defender, der bei uns bleibt – es fahren 70% der jemals gebauten Defender noch auf den Straßen – das gibt uns Hoffnung, daß dieses Fahrzeug länger bei uns bleiben wird, als die vielen Fahrzeuge, die wir für 3 oder 4 Jahre fuhren und dann wieder weitergeben mußten. Ein Defender, so denken wir, wird selbst in 30 Jahren nicht unmodern sein, höchstens antik.
Das Team vom Autohaus Esser hat unseren Defender liebevoll und in mühevoller Kleinarbeit zu einem echten Juwel gemacht – sämtliche äußeren Schrauben wurden gegen solche aus Edelstahl getauscht, die Hohlräume wurden versiegelt, der Unterboden vor den Unbillen des Wetters geschützt, und ein Unterfahrschutz und natürlich die obligatorischen Riffelbleche wurden angebracht. Anstelle von modernen Bi-Xenon Scheinwerfen kamen bei unserem Defender einfach 4 Scheinwerfer aufs Dach, getreu dem Motto “Es werde Licht”:
Es gibt seltene Gelegenheiten, während der Fahrt das eigene Auto von vorne zu sehen. Mein Wagen gibt mir, zumindest manchmal, diese Möglichkeit, wenngleich er die falsche Farbe zeigt:
Leider sind diese Momente bei mir recht selten, da Piloten ganz automatisch eine Verbrauchs- und Tankplanung machen und im Normalfall nie auf Reserve irgendwo ankommen. Dieses Bild entstand in langsamer Kolonnenfahrt kurz vor der Autobahntankstelle.