Da hab ich mir heute genau den besten Tag rausgesucht, um alternative Verkehrsmittel zu testen. Die Aufgabenstellung war einfach: Ich habe zwei Termine, einen um 10 Uhr zur Besprechung der Unternehmensdaten vom Juni mit unserer Aufsichtsrätin (München, Friedenheimer Straße) und um 14 Uhr zum Fliegerarzt (München, Sendlinger Tor). Dazwischen vielleicht irgendwo was essen, und noch nach einem Paar Sommerschuhen für Köln sehen. Ich hätte das mit meinem Wagen erledigen können, wenn mir der Defender zu sperrig für die Stadt ist, hätte ich auch den Smart nehmen können und hätte sogar ein Cabrio gehabt.
Ich wollte aber Alternativen zum Individualverkehr, hab nix zu tragen, außer einer kleinen Tasche, also dachte ich mir, ich benutze öffentliche Verkehrsmittel in Form der Regionalbahn von Dorfen zum Ostbahnhof, dann einen DriveNow Wagen aufsperren, zur Friedenheimer Straße fahren, Besprechung, zurück in den Geschäftsbereich von DriveNow, Wagen abstellen, mit der U-Bahn weiter, in der Stadt was essen, zum Fliegerarzt am Sendlinger Tor, noch ein wenig shoppen in der Sendlinger Straße und dann mit der S-Bahn vom Marienplatz zum Ostbahnhof und von dort mit der Regionalbahn nach Dorfen zurück.
Bis zum Ostbahnhof funktionierte der Plan auch einwandfrei, aber dann waren dort keine DriveNow Autos verfügbar (ZebraMobil übrigens auch nicht):
Eine Umkreissuche ergab ein Fahrzeug an der St. Martin Straße und zwei in Giesing. Prima, auf zur S-Bahn, zwei Stationen fahren und in Giesing in ein Auto umsteigen. Zunächst fiel auf, daß die Hinweistafeln am Ostbahnhof nicht gingen, dann merkte ich, daß der Bahnsteig vom Gleis 3 propevoll war und dann kam ein Tweet von Manuel Dornbusch, daß er auch am Ostbahnhof wäre. Sag noch einer, Twitter wäre nicht praktisch fürs reale Leben.
Beim kleinen Ratsch über die Gleise 4 und 5 hinweg erfuhr ich dann, daß an der Donnersberger Brücke Gas ausgetreten wäre und daher die Stammstrecke zum Teil gesperrt ist. Planänderung, ich sehe mich nach DriveNows im U-Bahn bereich um und werde am Innsbrucker Ring fündig. Flugs reserviert und in der Eile übersehe ich, daß ich keine Bestätigungs SMS von DriveNow bekommen habe. Am Wagen angekommen möchte ich ihn voller Freude aufsperren, doch: Geht nicht. Weigert sich.
Glücklicherweise hat Sixt eine immer verfügbare Hotline, die mir dann versuchte weiterzuhelfen. Ich lerne: Die SMS, die von DriveNow kommt, bestätigt, daß der Wagen die Reservierung empfangen hat. In meinem Fall bekam ich keine SMS, weil DriveNow keine Verbindung zum Wagen hatte. Drum konnte die Mitarbeiterin an der Hotline auch garnichts für mich tun. Sie entdeckte allerdings einen Wagen in Laufweite und versprach, mir den zu reservieren. Das klappte erst auch nicht und wir beendeten das Telefonat. Ich setzte mich, optimistisch, dann aber doch mal in Bewegung und auf halbem Weg kam die erlösende SMS: Fahrzeug reserviert!
Der Rest lief dann, wie geplant.
Fazit: Ich bin eine halbe Stunde früher losgegangen, als ich mit dem Wagen losgefahren wäre (8:45 Uhr zu 9:15 Uhr), dafür bin ich eine halbe Stunde zu spät bei meinem Termin angekommen. Mit meinem eigenen Wagen hätte ich etwa 45 Minuten von Dorfen zur Friedenheimer Straße gebraucht (natürlich nur, wenn kein Stau ist), mit den alternativen Verkehrsmitteln brauchte ich 1 Stunde und 45 Minuten. Klingt auf den ersten Blick nach schrecklicher Zeitverschwendung.
Ich habe von diesen 1:45 Stunden allerdings 35 Minuten sehr produktiv gearbeitet nämlich im Zug, wo ich konzentriertestens eine Projektaufgabe fertiggestellt habe, die ich mir vorgenommen habe. Alleine dafür hat sichs möglicherweise gelohnt, denn ich schiebe diese Aufgabe schon seit einigen Bürotagen vor mir her. Was dann folgte, war aber auch nicht ohne, denn die Odyssee vom Ostbahnhof zur Buchhaltung nach Riem fühlte sich ein wenig, wie ein Abenteuerurlaub: Die Menschenmassen, die am Ostbahnhof warteten, weil die S-Bahnen nicht fuhren, der Ratsch von Bahnsteig zu Bahnsteig mit Manuel Dornbusch, sich den Weg zu U-Bahn zu fräsen, das erste DriveNow Auto, das nicht aufgehen wollte, das lange Telefonat mit der DriveNow Hotline, die erlösende SMS, die Spaziergänge von der U-Bahn zu den beiden Autos, dann endlich in einem Wagen am Ziel anzukommen, zwar eine halbe Stunde zu spät, aber mit einem Gefühl im Bauch, wie ein Held.

Zudem habe ich, nun auf der Rückreise mit meinen alternativen Verkehrsmitteln, die übrigens einwandfrei und wie geplant funktioniert, diesen Blog Artikel geschrieben, das hätte ich nicht, wenn ich jetzt im Auto sitzen würde. Mein Test der alternativen Verkehrsmittel hat irgendwie richtig Spaß gemacht und ich werde es demnächst wieder mal tun.
Das finanzielle Fazit: 21,90 für das Bahnticket, 5,60 für die MVV Tageskarte und 24,09 für das DriveNow Auto, macht zusammen 51,59 €. Mit dem eigenen Wagen wäre ich 140 km gefahren, wenn wir den Smart mit 0,30 € pro km schätzen, sind das 42,00 €, dazu die Parkgebühren in München. Aber kein Abenteuer. Mit dem Defender sähe die Rechnung natürlich nicht so positiv aus.
Übrigens, die tz hat das S-Bahn Chaos schon vorausgeahnt und titelt: