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Kraftwerk in der Kongreßhalle. Nicht einfach ein Konzert, sondern eine Darbietung zeitgenössischer Kunst.

Filed Under (PSAG) by on 14-10-2011 and tagged , , , ,

Die Konzerte von Kraftwerk in München am 12. und 13. Oktober waren nicht einfach nur Konzerte irgendeiner Musikgruppe. Kraftwerk haben meinen Musikgeschmack entscheidend mitgeprägt und nicht nur meinen: Musikrichtungen, wie Techno, Elektropop, selbst Hip-Hop würden ohne Kraftwerk heute anders klingen. Sie waren die ersten, die Musik nur mit elektronischen Instrumenten erzeugten, sie bauen alles Equipment für ihr Studio und ihre Bühne selbst (auch damit haben sie mich beeinflußt) und sie stehen eigentlich garnicht so gerne selbst im Rampenlicht, sondern schicken lieber ihre Roboter und dank Polarisations-3D Brille reichten die Roboter gestern zu Begrüßung ihre Hände ins Publikum:

Roboter

Die Süddeutsche Zeitung hat in ihrer Kritik zum Konzert durchaus recht, 3D ist ein alter Hut. Nicht nur die Ayinger Brauerei, auch IMAX Kinos, sogar Filme ab 18 gibts schon in 3D. Aber eigentlich hat sie auch nicht recht: 3D in einem Konzert? Konsequente Videoprojektionen auf einer Großleinwand hinter den Musikern und das auch noch in 3D, meines Wissens gabs das noch nie (korrigiert mich bitte, wenn ich da falsch liege). Das könnte auch der Grund gewesen sein, warum die 3 Konzerte in der eigentlich viel zu kleinen Alten Kongreßhalle stattfanden: Die erhältliche Beamertechnik dürfte größere Hallen noch garnicht nicht schaffen.

Waren bei den Konzerten in 2004 noch Laptops auf den Pulten vor den Musikern, so sind diese nun verschwunden und die Pulte nochmals filigraner geworden. Beachtenswert: Die Ränder der Pulte leuchten jeweils passend zur aktuellen Hintergrundfarbe der Bühne in verschiedenen Farben:

Roboter

Ihre bisher bekannteste Zeit hatten Kraftwerk sicherlich zwischen 1974 und 1981, also von Autobahn bis Computerwelt. Immerhin kennt (fast) jeder das “Wir fahr’n fahr’n fahr’n auf der Autobahn”. Ich kenne jeden Ton in jeder erhältlichen Aufnahme und fand beruhigend, daß die Songs auf der Bühne nicht einfach abgespielt, sondern tatsächlich live erzeugt wurden, so schlichen sich ganz individuelle Timings ein, was das gehörte einzigartig macht. Die Qualität der Livemusik ist bei Kraftwerk aber sehr, sehr hoch und es klingt fast, wie die Studioeinspielung (das bekommen nur wenige Bands hin).

Autobahn

Ralf Hütter zeigt mit Kraftwerk, daß er älter geworden ist, aber nicht alt. Er ist neuem aufgeschlossen, erfindet sich und Kraftwerk stetig neu und fährt nicht einfach ein “früher war alles besser” Programm. 3D-Videos, eine perfektionierte Bühne – ich bin gespannt, was noch alles kommt. Immerhin ist er “erst” 65, topfit und sieht so garnicht nach Rentenalter aus.

Vielleicht kann man an der 3D Videotechnik noch etwas arbeiten: Ich fand den Clip zu “Vitamin” sehr spannend, als die Kapseln tatsächlich durch den Raum der alten Kongreßhalle flogen. Wenn sie vor meiner Nase von oben nach unten schweben ist allerdings der Moment, an dem so eine Kapsel dann hinter einem der Musiker verschwindet, sagen wir mal, ernüchternd.

Noch mehr Video, vielleicht mal 3D ohne Brillen, da ist noch viel Raum für neues.

Ansonsten wurde das Repertoire in 2 Stunden durchgespielt, natürlich durfte auch die Radioaktivität nicht fehlen, ich hatte persönlich gehofft, daß es auch Fukushima in den Song geschafft hätte, aber es blieb bei Tchernobyl, Sellafield und Harrisburg:

Radioaktivität

Es war nicht einfach ein Konzert, es war eine Darbietung zeitgenössischer Kunst. Es war auch eine Demonstration, was derzeit technisch machbar ist und wie man es umsetzen kann. Ich war vor 30 Jahren in meinem ersten Kraftwerk Konzert, erinnere mich gut daran, wie sehr es mich beeinflußt hat und hoffe, daß das gestrige nicht das letzte Konzert von Kraftwerk war, das ich erleben durfte.




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