Ausgerechnet BMW. Ausgerechnet ein Fahrzeughersteller, dessen Wurzeln auch im Bau von Flugmotoren liegen, wendet sich gegen uns. Gegen Piloten, gegen Geschäftsleute, die selbst fliegen. Gegen Flugzeuge unter 2 Tonnen Gesamtgewicht.
Seit dem Bau des Flughafens München II im Erdinger Moos war es im Landesentwicklungsplan für die Region München ausgeschrieben, daß direkt in der Region ein Flugplatz entstehen muß, der von Flugzeugen unter 2 Tonnen benutzt werden kann. Das macht Sinn, denn der Flughafen München hat nur 2 Start- und Landebahnen, die in der Rush-Hour morgens und abends vollständig ausgelastet sind. Die Linienflugzeuge fliegen dort mit um die 300 km/h an, wenn wir uns da mit einer Seneca oder einer Cirrus einreihen, die nur 200 km/h fliegt, führt das unweigerlich zum Stau.
Daher hat auch der Flughafen München bislang den Flugplatz in Fürstenfeldbruck unterstützt, denn nur so konnte der Flughafen eine Befreiung von der Betriebspflicht für Flugzeuge unter 2 Tonnen erreichen (denn eigentlich ist es ja so, daß wir auf allen öffentlichen Flugplätzen starten und landen dürfen, so wie Autofahrer ja auch alle öffentlichen Straßen benutzen dürfen).
Warum eigentlich Fürstenfeldbruck? Wir haben doch viele Flugplätze in der Region, oder?
So, was bleibt noch übrig: Geschäftsflüge von München aus, die auch bei schlechtem Wetter stattfinden und wo man morgens um 7 Uhr wegfliegt und abends bis 21 Uhr zurückkommt, gehen nur von Augsburg aus. Augsburg gehört aber nicht mehr zur Region 14 des Landesentwicklungsplanes.
Daher war von Anfang beschlossene Sache, daß nach der militärischen Nutzung des Flugplatzes in Fürstenfeldbruck, der übrigens technisch hervorragend ausgerüstet ist (wurde seinerzeit alles vom Miliär bezahlt) und auch für schlechtes Wetter tauglich sein könnte, dies der Flugplatz für die allgemeine Luftfahrt in der Region München werden soll.
Bis, ja bis sich politische Kräfte entwickelten, die den Betieb des Flugplates Fürstenfeldbruck mit allen Mitteln verhindern wollen. Bereits die als sachlich bekannte Süddeutsche Zeitung hat in einem Artikel vom September 2008 über die Aktivitäten des Lokalpolitikers Reinhold Bocklet geschrieben:
Bocklets derzeitiges Lieblingsprojekt ist die Konversion des stillgelegten Brucker Luftwaffenflugfeldes. Hier kämpft er seit Jahren, zuerst im Hintergrund und inzwischen ganz offen, für die Ansiedlung von BMW und den Trabern. Es ist ein Paradebeispiel, wie man einen politischen Gegner, in diesem Fall die Zivilflieger, so geschickt ausbootet, dass diese lange nicht merken, was gespielt wird. Ein loyaler CSU-Abgeordneter kann dann sogar erreichen, eine CSU-Staatsregierung umzudrehen und dazu zu bringen, von Kabinettbeschlüssen und fest gegebenen Zusagen abzurücken.
Die Hervorhebungen sind von mir.
Praktisch sieht das so aus, daß durch diese Initiativen am Flugplatz Fürstenfeldbruck ein Gelände für Fahrsicherheitstrainings gebaut werden soll. Passagiere meines Münchenrundfluges kennen das Gelände des Flugplatzes in Fürstenfeldbruck und fragen jedesmal ganz erstaunt: “Wie, das ganze Gelände? So viel Platz brauchen die?”. Wer zudem das Gelände für das Fahrsicherheitstraining am Flughafen München kennt, der fragt sich um so mehr, warum man auf einmal die geschätzte 20-fache Fläche braucht. Allerdings lehnt BMW, wie auch der genannte Politiker jegliche Diskussion über eine gemeinsame Nutzung des Geländes kategorisch ab.
Ich habe meinem Unmut darüber in einem E-Mail an BMW Luft gemacht, das ich hier im Original abbilde:
Ich wurde, wie viele andere Piloten auch, von BMW mit einer Standardantwort abgespeist, an der mich drei Punkte ganz besonders treffen, die habe ich farblich hervorgehoben:
Noch ein Nachtrag zu “Privatpiloten”: Das sollte man nicht unterschätzen, wer sich privat ein Flugzeug leisten kann und es sich leistet, der gehört bestimmt auch zur Zielgruppe als Autokäufer.
Ich bin jedenfalls höllisch enttäuscht, wie die Sachlage um Fürstenfeldbruck hier von BMW und der Politik völlig verzerrt dargestellt wird. Und wie die allgemeine Luftfahrt, die neben der Linienluftfahrt einen wichtigen Beitrag zu unserer Mobilität leistet, wieder mal auf das Abstellgleis gestellt wird.
Nachtrag 1:
Weitere Informationen über den Flugplatz Fürstenfeldbruck gibt es hier, beim Verein “Aufsteigen mit Fürsty”.
Nachtrag 2:
Die Entwidmung ist zunächst unwirksam, wie der Merkur Online berichtet.