Gestern abend wurde von Radio Bayern 4 die Premiere von Hoffmanns Erzählungen aus der Staatsoper in München live übertragen. Da ich es (bisher) nicht geschafft habe, eine Karte für eine der Vorstellungen zu kaufen, wollte ich wenigstens den Ton auf der Platte haben, wenn ich schon das Bild nicht sehe.
Nun könnte man einfach den Livestream von Bayern 4 aus dem Internet abgreifen, z.B. mit WMRecorder, die Qualität ist dann aber für eine dauerhafte Aufnahme zu schlecht. Außerdem sind wir ja nah an München dran und haben vielleicht Bayern 4 im Kabel.
Unser Kabelanschluß hier in Dorfen ist vom Kabel & Medien Service, die haben natürlich eine Website, dort aber sind leider nur die Kabelfrequenzen für München gelistet, Dorfen existiert dort nicht:
Immerhin wurde mein E-Mail über das Kontaktformular innerhalb weniger Stunden von einem freundlichen Mitarbeiter beantwortet, der mir das entsprechende Blatt mit den Sendefrequenze zusandte. Allerdings nicht als Anhang am Mail, sondern per Post. Ich sollte im Laufe des Projektes noch öfter an meine Jugendzeiten erinnert werden. Immerhin, das Blatt lag am nächsten Tag im Postfach mit einem handgeschriebenen Kurzbegleitschreiben.
Nun schien der Plan ganz einfach: Mit der Radiosoftware kann ich von der Hauppauge Karte meines Fernseh-Aufnahmerechners ja einfach ein Kabelradio hören. Das würde auch ganz prima funktionieren, wäre da nicht ein lästiges, immer wieder an- und abschwellendes Hintergrundgeräusch, das ich auch mit diversen Filtern am Antennekabel nicht in den Griff bekam. Bei der Aufnahme von Fernsehsendungen tritt das glücklicherweise nicht auf.
Gut. Ich erinnere mich, daß ich mal ein Radio besaß. Eines von Sony. Das stand viele Jahre, als ich noch Radio hörte, im Rack der Stereoanlage. Die Suche war erfolgreich und dieses Radio, am Kabel angeschlossen, empfängt Bayern 4 nun in erstklassiger Qualität. Flugs einen Rechner obendrauf, damit ich aus dem Radiosignal ein MP3 erzeugen kann (das Setup erinnert mich nun ein wenig an meine Jugend, als ich mit dem Kassettenrecorder vor dem Radio saß und hoffte, daß keiner ins Zimmer kommt und “Hallo” sagt, während die Aufnahme läuft):
Im ersten Versuch wollte ich an den Laptop ein Edirol UA-101 Audiointerface anschließen, in der Annahme, das liefere eine bessere Soundqualität, als die eingebaute Soundkarte im Dell Laptop. Leider stieß ich auf das Problem, daß der Windows 7 x64 Treiber für das Edirol UA-101 regelmäßiges Klicksen produziert (mit meinen speziell getunten Windows XP Rechnern im Tonstudio laufen meine Edirol UA-101 hervorragend). Da so eine Fehlersuche viel Zeit kostet, habe ich dann einfach das Radio an den Eingang der internen Soundkarte angeschlossen und diese durch Vorhören auf einen Pegel von 15% eingestellt, da ist noch genug Headroom für die Aufnahme:
Aufgenommen wird dann mit WaveRec, das den Ausgang des Windows Soundmixers einfach abgreift und in eine Wave Datei schreibt. WaveRec muß nicht installiert werden, einfach in ein Verzeichnis kopieren und aufrufen. Zur direkten Aufnahme in eine MP3 Datei kopiert man die lame.exe und lame_enc.dll aus der aktuellen Lame Distribution direkt in das Verzeichnis von WaveRec.exe hinein (bei der Lame.exe bin ich mir nicht sicher, ob WaveRec die braucht, ich wollte da aber nicht lange rumtesten, rum habe ich sie mit hineinkopiert):
Dann kann man das gewünschte MP3 Format einstellen:
Dann konnte ich die Aufnahme in WaveRec schön programmieren und natürlich habe ich darauf geachtet, daß am Radio der richtige Kanal eingestellt ist und der Rechner die richtige Zeit hat (da ich ein wenig paranoid bin, habe ich bereits am Nachmittag ein Violinkonzert zeitgesteuert aufgenommen):
Heraus kommt ein MP3 File mit der gesamten Aufnahme, den ích mit MP3DirectCut dann in handliche Teile zerlege (eine Anleitung für MP3DirectCut gibt es hier)
Voilá – Hoffmanns Erzählungen live mit Rolando Villazón und Diana Damrau auf meinem iPod!