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Es geschieht ja nicht so irre oft, daß ich ein Opernwerk erleben darf, das erst zum vierten Mal aufgeführt wird und bei dem der Komponist selbst anwesend ist (und Jörg Widmann ist sogar noch jünger, als ich, das ist Premiere bei meinen klassischen Komponisten). Wenn dann auch noch Anna Prohaska singt, der GMD der Staatsoper, Kent Nagano, höchstselbst dirigiert und die Inszenierung von Carlus Padrissa gemacht wurde – dann bin ich natürlich gespannt, was da so rauskommt.

Die Oper Babylon ist also neu, nagelneu komponiert. Das Libretto ist von Peter Sloterdijk, es geht um das Chaos im alten Babylon, den Zusammenprall von Kulturen, um Menschenopfer und um die Liebe. Immerhin stirbt jemand, sonst wärs keine Oper, aber er darf wieder auferstehen, sagenhaft wie Anna Prohaska sich auf der Treppe räkelt und Schwester Tod ihren Geliebten wieder abschwatzt.

Carlus Padrissa entfacht ein multimediales Feuerwerk auf der Bühne mit Projektionen, Skulpturen aus gesichtsloser Masse Mensch, bunt beleuchtet oder mit Farbe übergossen. Eine Bildersprache der Lust, obszön zuweilen aber in 2012 nicht mehr schockierend. Einfach passend zu diesem aktuellen und daher zeitgemäßem Werk. Nicht alle Zuschauer sahen das so, die Vorstellung war zwar ausverkauft aber nach der Pause lichteten sich die Reihen doch deutlich.

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Bild: www.staatsoper.de

Insgesamt ist es ein schauriges bis schönes Werk mit modernen aber nicht schrägen Tönen, ganz großes Orchester, so groß, daß die Musiker sogar noch in den Proszeniumslogen untergebracht werden. Einnehmend, welch dichte Bilder moderne Musik zeichnen kann (vielleicht lags auch an Kent Nagano, der die Partitur gut umsetzen kann, schließlich ist er ja auch der Wagner-Klangteppich-Spezialist). Widmann zitiert auch und macht dabei sogar vor Kitsch nicht halt, die babylonsche Party regt sogar zum Schmunzeln an und rutscht stellenweise in den Klamauk ab, erholt sich aber recht schnell wieder, bevors peinlich würde.

Eine persönliche Erinnerung schwappte hoch, Gabriele Schnaut rollt als Euphrat auf einem Treppchen herein – die gleiche Szene, optisch, nicht musikalisch, hatte ich viele Jahre zuvor als Königin der Nacht mal gesehen. Faszinierend, wie sich das bunte Bild während ihrer Arie dann in blasses Grau verwandelte und von dort zu einer apokalyptischen Endzeitszene (in 2012 ja ganz aktuell, demnächst endet ja der Kalender der Maja).

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Bild: www.staatsoper.de

Doch der Untergang kann aufgehalten werden, der gütige Priester als überdimensionaler Wärmestrahler, tief und fest singend, bringt wieder Ruhe rein und möchte ausgerechnet Tammu als Menschenopfer darbringen, in den sich Inanna kurz zuvor (genialer Auftritt als irrlichternder Kitschengel) unsterblich und bis in alle Ewigkeit verliebt hat. Sie führt ihn aus der Unterwelt wieder hinauf, eine lange, lange Treppe und ihre Blicke dürfen sich nicht trennen – die Anspielung auf Orpheus und Eurydike ist offensichtlichst. Nachdem die beiden als unsterbliches Paar (hatte ich schon erwähnt, daß es bisweilen etwas kitschig wird?) in die Ewigkeit eingingen, ist die Ordnung in der Welt wieder hergestellt, die Woche hat sieben Tage und alles ist gut.

Eigentlich hätte es mir auf der babylonischen Party besser gefallen.

Ich wurde gerade durch die Bitte einer Freundin auf eine Website aufmerksam, mit der man beim Online Shopping so ganz nebenbei und ohne, daß es mehr kostet, etwas für gemeinnützige Organisationen spenden kann (die nutzen die Affiliate Modelle der großen Online Shops aus).

Die Website ist http://www.clicks4charity.de/, da wählt man im ersten Schritt die Organisation aus, die man beglücken möchte

Clicks for Charity

in meinem Fall bevorzuge ich da die Gute Tat München

Gute Tag München

danach wählt man seinen Online Shop, Amazon ist natürlich auch dabei

Amazon

und schon landet man bei Amazon (oder jedem anderen ausgewählten Shop),

Shopping

kauft ohne Mehrpreise oder irgendwas negatives ein und die Provision geht an die ausgewählte Organisation, in meinem Fall die Gute Tat München. Gute, oder?

Immer wieder begegnet mir bei Facebook, inzwischen auch oft bei Google+ und natürlich im Richtigen Leben, von Menschen, die meist noch gar keine Erfahrung mit sozialen Netzwerken haben, die folgende Aussage:

Ich kann das überhaupt nicht brauchen, wenn da Leute sind, die die ganze Zeit posten, wann sie auf die Toilette gehen.

Mal ganz ernsthaft: Ich hab in all den Jahren bei Twitter, Facebook und Google+ noch keinen einzigen Post gesehen, der davon gehandelt hätte, daß oder wie, jemand aufs Klo gegangen ist!

Toilet Internet

Gerade beim angeblich so technikaffinen Google+ begegnet mir aber genau diese Aussage zur Zeit ständig, wenn ich kritisiere, daß Google+ keine API hat, die einem das Posten von Inhalten aus anderen Anwendungen (z.B. HootSuite, Foursquare, Instagram) erlauben würde.

Da wird dann immer das Argument aus dem Hut gezaubert, daß man die API ja nicht braucht, weil sonst die Leute noch posten würden, wenn sie auf die Toilette gehen. Entschuldigung, wozu brauche ich dazu eine API? Das kann ich über das Webinterface genauso tun oder auch über die Google+ App auf dem Smartphone (das kann ich dann sogar in der Hand halten, während…). Haben die Menschen etwa Angst vor einem Toilettensitz mit Anschluß an die Google+ API, der den Gast per RFID Tag erkennt und dann mit Waage und Webcam das Ergebnis der Sitzung automatisch postet?

Wobei mir das wahrscheinlich lieber wäre, als die ständigen so können Sie am Tag 1000 € verdienen, Sie brauchen nur dieses e-Book kaufen oder so werden Sie im Monat mit 10.000 € Einkommen gesegnet, wenn Sie dieser Methode folgen – Nachrichten dieser Art schwappen trotz fehlender API bevorzugt bei Google+ rüber (von XING allerdings ganz zu schweigen, ich stelle immer wieder erstaunt fest, daß es das noch gibt). Da ist Facebook übrigens eher die Ausnahme.

Ich bin aber auch überhaupt nicht wählerisch, was das Aussuchen meiner Online Freunde angeht: Wer mir bei Twitter folgt, dem folge ich zurück. Wer mich bei Google+ circled, den circle ich auch, Freundschaftsanfragen bei Facebook beantworte ich immer.

Das bedeutet natürlich nicht, daß ich bei Twitter oft in meine Timeline reinsehen würde oder bei Google+ den Circle ständig ansehe, den ich “Noch unbekannt” getauft habe. Bei allen Diensten habe ich zwei Listen, welche diejenigen Menschen enthalten, deren Posts mich tatsächlich interessieren. Eine Liste, wenn ich in Zeitnot bin und nur die allerwichtigsten Nachrichten sehen möchte, da sind diejenigen Menschen drin, die mir sehr nahe stehen und eine Liste mit denjenigen, die ich generell interessant finde, da dauerts natürlich länger, die Posts durchzublättern. Selten tatsächlich, schau ich auch mal einfach in die Timeline rein, ob irgendwas drin ist im Strom, das meine Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Gerade bei den Menschen in meinen Listen interessiert es mich aber, wann sie aufgestanden sind, obs ihnen gut geht, was sie gerade so tun und denken oder wie sie sich fühlen, wann sie in ein Konzert gehen, wie eine Veranstaltung war oder ganz einfach, was es zum Abendessen gibt.

Social Network

Das sind doch letztendlich die Inhalte eines sozialen Netzwerkes, denn nur so ergibt sich ein Gesamtbild eines Menschen (und um die Menschen geht es im sozialen Netzwerk, nicht ums Geldverdienen) und man baut auch zu vorher fremden Menschen eine gewisse Vertrautheit auf, indem man an ihrem täglichen Leben teilnehmen kann.

Drum poste ich auch selbst, wann ich aufstehe, was ich esse, was ich den ganzen Tag so tue und wann ich wieder ins Bett gehe. Meine Toilettengänge aber, das verspreche ich Euch, werde ich auch weiterhin ganz alleine und diskret verrichten.

Neulich habe ich die Veröffentlichung der PETA gelesen und bin entsetzlich erschrocken: Mary Kay testet Kosmetik wieder an Tieren. Das darf auf keinen Fall sein, lieber teste ich die Mary Kay Kosmetik höchstpersönlich in meinen Augen und auf Wunden auf meiner Haut, als daß Tiere, die dafür überhaupt nichts als Gegenleistung erhalten, für die zwei Falten weniger in meinem Gesicht leiden müssen.

Avon, Mary Kay, Estée Lauder Paying for Tests on Animals

Was mich stutzig macht: Mary Kay war schon sehr früh bei den Kosmetikfirmen, die völlig ohne Tierversuche auskommen – denn es gibt hervorragende Testmethoden für Kosmetik, ohne auch nur einem einzigen Tier etwas zuleide zu tun. Warum haben sie sich plötzlich anders entschieden?

Der Artikel läßt mich dann stolpern über “required by the Chinese government”, es geht wohl im China. Ein Anruf bei Silvia, meinem Mary Kay Consultant bringt dann etwas Klarheit: Es geht nur und ausschließlich um Kosmetik, die in China vertrieben wird. Mary Kay versichert, daß “keine der Produkte, die Sie hier bei uns in Deutschland, Holland und der Schweiz gekauft haben, an Tieren getestet wurden“:

Statement von Mary Kay

Ferner versichert Mary Kay: “Wir arbeiten sehr eng mit den chinesischen Regulierungsbehörden zusammen, um zu zeigen, dass alternative Testverfahren sichere und wirksame Produkte garantieren.” (Zitate aus einem Schreiben von Elke Kopp, General Manager Germany vom 20.2.2012) Auch PETA bestätigtMary Kay had taken steps to work with Chinese officials”. Das mindert das Leid der betroffenen Tiere nicht, aber beruhigt mich etwas, denn: Es geschieht was.

Ich verstehe das Unternehmen Mary Kay, sich nicht aus dem Chinesischen Markt einfach zurückiehen zu wollen. Erstens natürlich wegen der dort zu erwartenden Umsätze, klar. Aber auch, und so argumentiert Mary Kay: Wenn sie selbst nichts nach China verkaufen, dann spricht die chinesische Regierung nicht mehr mit ihnen und die Tierversuche in China werden niemals abgeschafft. Ich stimme dieser Argumentation zu, denn: Dann wird der große Markt China einfach den Firmen überlassen, die skrupellos Tiere quälen. Ein Engagement der Verbraucher können wir in China in den nächsten 20 Jahren sicher noch nicht erwarten.

Ich habe mir eine regelmäßige Aufgabe in meine Todo Liste gesetzt und werde immer wieder mal überprüfen, ob Mary Kay bei der Abschaffung der Tierversuche für Kosmetik in China Erfolge erzielen konnte. Das wird sicherlich in China eine ganze Weile dauern und es wird einige Dollars kosten. Dollars, die ich gerne mit finanziere, indem ich weiter Mary Kay Produkte kaufe (die ich übrigens, trotzdem sie ohne Tierversuche hergestellt werden, excellent vertrage).

Ich verwende keine Sonnenschutzmittel.

Das fällt mir immer erst wieder auf, wenn ich die Menschen hier auf den Grillstationen sehe, wie sie sich den ganzen Tag eincremen. Gut, mir geht die Erinnerung an den Urlaub ab, die sich am Geruch von Sonnencreme festmacht (mich erinnert eher der salzige Geruch des Meeres an Fuerteventura).

Sonnenschutz

Nun bin ich zum Sonne tanken hier und das paßt doch wohl nicht zu der Aussage, daß ich mich nicht vor der Sonne schütze, schließlich ist die doch hier auf den Kanaren besonders stark. Will ich etwa Hautkrebs bekommen?

Natürlich nicht. Ich schütze mich ja vor der Sonne: Ich bin heute 15 Minuten den Strand "hinauf" gelaufen, mit der Sonne im Rücken, hab dann umgedreht und bin 15 Minuten wieder "herunter" (der Strand hat natürlich keinen Berg, ich empfinde nur Richtung Norden als "hinauf"). Meine Schultern sind jetzt leicht, ganz leicht gerötet, das sieht man gut wenn man die Finger auf die Haut drückt, dann bleibts kurz weiß, wenn man sie wegnimmt. Ich habe heute also die Sonne perfekt dosiert, perfekt an der Reizschwelle, so daß meine Haut mit der Pigmentproduktion beginnt und dunkler wird (das soll ja so gesund aussehen, wenn man "braungebrannt" nach Hause kommt) aber noch nicht so, daß sich eine Verbrennung eingestellt hätte.

Den Rest des Tages verbrachte ich weitgehend im Schatten. Natürlich nicht, ohne mich am Anblick der Sonne zu erfreuen und regelmäßig rauszusehen auf das sonnendurchflutete Meer. Ich bin also ziemlich sicher, daß ich heute die maximale Dosis Licht und Sonneneinstrahlung abbekommen habe, die notwendig ist, um die Vitamin D Produktion meines Körpers auf Hochtouren zu bringen.

Vitamin D: Ein Vitamin, das der Körper selbst produzieren kann, von dem aber sehr, sehr viele Deutsche zu wenig haben. Auch im Sommer. Auch bei gutem Wetter. Dabei wärs doch so einfach: Gezielt ab und an in die Sonne gehen und wenns draußen hell ist, hinaussehen (ich gebe zu, nicht alle Jobs erlauben es, regelmäßig hinauszusehen/-gehen). Cremes mit Lichtschutzfaktor verhindern die Vitamin D Produktion!

Wozu nun also Sonnenschutz? Wozu eine Creme mit Lichtschutzfaktor 12 auf die Haut schmieren, die mir die Poren verstopft? Damit ich dann 12 * 15 Minuten von jeder Seite rösten muß? Na gut, wenn ich unbedingt 3 Stunden den Strand hinauf und dann 3 Stunden wieder runter laufen möchte, hätte ich mit Lichtschutzfaktor 12 genau das gleiche erreicht, wie mit 2 mal 15 Minuten. Rechnerisch. Ich hätte allerdings meine Haut gewaltig mehr ausgetrocknet. Und: Ich wäre wahrscheinlich nicht 6 Stunden am Strand gelaufen, sondern hätte mich mindestens 5 Stunden davon auf eine Liege legen müssen.

Andersrum ausgedrückt: Wenn man nicht unbedingt in der Sonne sein muß (Straßenarbeiter, Tennis- und Skilehrer etc.), sondern sich extra zum Bräunen in die Sonne legt, dann ist Sonnenschutz doch völliger Quatsch, denn er verzögert doch nur das, warum man sich eigentlich in die Sonne legt. So schön finde ich das grillen nicht.

Anders ausgedrückt: Scharf anbraten und dann gleich wieder ab in den Schatten. Mach ich mit Filetsteak auf dem Grill ja auch so.

Übrigens sind die Hautpigmente im dunklen, kalten Deutschland sowieso schneller weg, als einem lieb ist. Lohnt sich also garnicht, sich jeden Tag stundenlang in die Sonne zu legen, da genieße ich lieber die Luft, den Wind und vor allem die Helligkeit in Fuerteventura.